Out of Balance – Das Scherendiagramm
Jahre
seit 2012
Innovation
Scherendiagramm
Methode
Income Comparisons
Award
Out of Balance – Critique of the present Award, 1st prize
Publikationen + Ausstellungen
Planetary Urbanism Exhibition
Vienna Design Week
Arch+ Magazine
Ingraphics Magazine
Das Scherendiagramm – Form folgt Kritik
Zwei Linien laufen auseinander. Je weiter sie sich entfernen, desto grösser ist die Ungleichheit. Das Scherendiagramm macht wirtschaftliche Unterschiede nicht nur messbar, sondern auch sichtbar und spürbar. Es ist kein neutrales Diagramm – sondern ein Instrument zur Kritik der Gegenwart. Wir entwickeln die Form aus einer bestimmten Fragestellung: Wie lässt sich die Behauptung des neoliberalen Systems, dass «Leistung gerecht belohnt wird», empirisch überprüfen? Was passiert, wenn wir eine Lehrperson in Johannesburg mit einer in London vergleichen? Die visuelle Form – zwei auseinanderlaufende Linien – macht Ungleichheit nicht nur quantifizierbar, sondern auch emotional erfahrbar. Das Scherendiagramm ist zugleich Metapher und Messinstrument.
2012: Wettbewerbsgewinn – ARCH+ und die Bauhaus Dessau Stiftung
2012 lancierten die Zeitschrift ARCH+ und die Bauhaus Dessau Stiftung einen ungewöhnlichen Wettbewerb: «Kritik der Gegenwart im Medium Informationsdesign». Gefragt waren empirisch fundierte Analysen für das Zeitalter des Anthropozäns, einer von Menschenhand nahezu vollständig gestalteten Erde. Die zentrale Frage: Wie organisieren wir uns auf einem immer dichter besiedelten Planeten, wenn der ökologische Wandel ohne soziale Gerechtigkeit scheitert? Über 500 Teams aus 42 Ländern nahmen teil. Wir entwickelten eine Plakatserie auf Basis des UBS «Prices and Earnings»-Berichts, welche Einkommensunterschiede zwischen Metropolen weltweit sichtbar machte – nicht mit klassischen Balkendiagrammen, sondern mit dem Scherendiagramm. Wir gewannen den ersten Preis. Die Jury würdigte nicht nur die grafische Innovation, sondern auch die politische Dimension: Informationsdesign als Aufklärung und als Aufruf zum Handeln, in der Tradition von Otto Neurath.
2016: Veröffentlichung im ARCH+ Katalog «Planetary Urbanism»
ARCH+ publizierte das Projekt im Katalog «Planetary Urbanism – Kritik der Gegenwart». Wir überarbeiteten die Plakatserie und passten sie an das Magazindesign an. Neue Gegenüberstellungen von Preisen und Löhnen wurden auf sehr begrenztem Raum integriert. Das Diagramm entwickelt sich weiter und erweist sich als anpassungsfähig für verschiedene Präsentationsformate.
2020: Vienna Design Week – Schweizer Pavillon / Swiss Pavilion
Wir präsentierten eine aktualisierte Version an der Vienna Design Week – als Giveaway Poster fürs Publikum und als interaktive Data Story auf Basis aktueller UBS-Daten. Die interaktive Version erlaubt eine eigenständige Erkundung: Nutzer:innen navigieren durch Kapitel, vergleichen Metropolen im Zeitverlauf und ziehen eigene Schlüsse. Out of Balance wurde auf der Longlist des Information is Beautiful Award 2020 aufgeführt.
2025: Veröffentlichung in INGRAPHICS – Neue Data Story
Das Scherendiagramm erscheint erweitert in IN GRAPHICS Magazine von Jan Schwochow. Anlass der Überarbeitung. UBS hat die Datengrundlage «Prices and Earnings» eingestellt. Der konzeptionelle Kern bleibt, die Methodik ändert sich. Wir setzen auf Purchasing Power Parity (PPP) als internationalen Vergleichsmassstab. Die neue Version zeigt drei Berufsgruppen (Manager:innen, Fachkräfte, Dienstleister:innen) in über 30 Ländern und macht geschlechtsspezifische Lohnlücken sichtbar – ein Aspekt, den frühere Versionen nicht abbilden konnten. Die Daten stammen aus dem UN-Rahmen für «Decent Work and Economic Growth» (SDG 8.5). Das Projekt dokumentiert nun nicht nur Ungleichheit, sondern auch politischen Fortschritt in Richtung «Equal Pay for Work of Equal Value».